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H5n8 Vogelgrippe falsche Ursache bedeutet falsche Nachforschung
23.11.2020


Post von: Mathias Güthe





Vorabfeststellung:

Die Vogelgrippe oder auch Geflügelpest kann nicht in hochpathogener Form endemisch im Wildvogelbestand vorhanden sein! Das ist logisch, da ein schnell tötendes Virus sich im weitläufigem Vogelbestand in der Natur sonst schnell totlaufen würde! Das lässt nur zwei Schlüsse zu:

a) die als hochpathogen bezeichnete Variante ist gar nicht hochpathogen oder zumindest nicht bei jeder Art oder Herkunft oder Immunstatus des Probanten auf den sie trift.

b) sie  ist hochpathogen und deshalb nur in der Massentierhaltung möglich mit ihrem unerschöpflichen Nachschub an Wirtstieren. Dann können Wildvögel das Virus z.B. über Fischfutter aus Geflügelkot, Blutmehl, Schlachtabälle, Dünger etc. trotzdem bekommen aber nur kurzfristig weitertragen.

Das FLI stützt sich aber nach wie vor, (um die Lobby der Geflügelindustrie zu schonen) auf die Haupt-Verbreitung durch Wildvögel und empfiehlt daher Aufstallung als Gegenmaßnahme. Regelmäßig wird bei Ausbrüchen hauptsächlich danach geforscht, wie das Virus vom Wildvogel in die geschlossene Tierhaltung gelangt sein könnte.

These:

Wir nehmen an dases zwei Verbreitungswege gibt:

Einmal über die Wildvögel, die sich irgendwo auf mit Geflügelkot gedüngten Feldern infiziert haben. Da diese innerhalb kurzer Zeit versterben, tragen sie das Virus eher selten in Nutztierbestände (Heidmühlen war ggf. so ein Fall) und falls doch, wird es von dort kaum weitergetragen, weil ein Bestand wie in Heidmühlen keinen Anknüpfungspunkt zu weiteren Geflügelhaltungen hat. = Vertikaler Ansteckungsweg (Kammförmige kurze Abzweigungen vom Hauptverbreitungsweg).

Hauptsächlich aber ist der horizontale Verbreitungsweg in der Geflügelwirtschaft direkt von Massentierhaltung zu Massentierhaltung. Dafür gibt es vielfältige Möglichkeiten: Schlachthöfe, Tiertransporte, Neubesatz, Ausstalltrups, Geräte, Endprodukte, Einstreu Futtermittel sind nur einige Beispiele.

Schlussfolgerung:

Wenn nun das FLI und die zuständigen Behörden sich permanent nur auf die Nachverfolgung der Wildvogelkontakte konzentrieren, dann vernachlässigen sie automatisch die Ursachenforschung am horizontalen Verbreitungsweg!

Die AG Vogelfrei prangert dies schon seit langem an, hat aber naturgemäß nicht die Möglichkeiten wie offizielle Stellen, diese Nachforschungen selbst anzustellen. Wir arbeiten aber an einem Projekt, mit dem wir zumindest im kleinen Rahmen ab sofort eigene Nachforschungen anstellen können.  

 

 

 

 





Kommentare


"Horizontale Verbreitungsweg" : Keine These mehr, bereits wissenschaftlich belegt
Dr. Ingo Irmler, 24.11.2020


Hallo Mathias, die These muss nicht mehr belegt werden, dass FLI schreibt selbst in Globig et al., 2018: The most important lesson learned during the epidemic was the finding of substantial gaps in farm biosecurity and the impact of HPAI in an area of high poultry density, i.e., substantial farmto-farm spread. Nun ja, andernorts war das schon seit H5N1 bekannt und es liegt auch nicht an unzureichenden BSM, sondern an der Struktur der Massengeflügelhaltung. Ansonsten würden ja nicht hauptsächlich Großhaltungen betroffen (Napp et al., 2018). Interessant ist auch das AI Overview der EFSA für Februar bis Mai 2020: „258 of 287 poultry outbreaks detected in Europe were secondary outbreaks, suggesting that in the large majorty of cases the spread of the virus was not due to wild birds”. Aerogene Verbreitung ist auch ein wesentlicher Punkt, zumindest dort, wo die Ställe nahe beieinander liegen. Von den Holländern gibt es einige Veröffentlichungen, aber auch: "Neben einigen Hühner und Enten, bzw. Gänsehaltungen war vornehmlich die Putenhaltung von dem Infektionsgeschehen betroffen. Als Hauptursache wurde mangelnde Biosicherheit in den Betrieben angesehen, was in einigen Fällen auch wohl nicht auszuschließen ist. Analysiert man aber die in dem Zeitraum vorgeherrschten Windverhältnisse, muss man eine Windbeteiligung für die Dimension des Infektionsausmaßes annehmen. Es waren in dem Zeitraum drei Infektionswellen zu verzeichnen. Vor jeder Infektionswelle war wenige Tage vorher Sturm und bei der Tötung und Räumung der Ställe herrschten sehr hohe Windgeschwindigkeiten. Die Infektionen kamen jeweils zum Stillstand, wenn für mehrere Tage eine Windstille herrschte oder eine Umkehr der Windrichtung eintrat- Bei der Räumung eines positiven AI-Bestandes unter Sturmverhältnissen, waren sogar alle Putenbestände in Windrichtung bis zur Ortschaft (Garrel) in den folgenden Tagen infiziert und mussten geräumt werden" (2. Niedersächsisches Tiergesundheitssymposium in Oldenburg 31.08. und 01.09.2017). Der massgebliche Anteil der Geflügelwirtschaft an der HPAI-Verbreitung ist also gut belegt, es müssen nicht immer Wildvögel sein. Leider wird es noch viel Arbeit bedeuten, bis das auch in den letzten Ministerien und Veterinärämtern realisiert wurde. Grüße Ingo

Danke Ingo!
Mathias Güthe, 05.12.2020


Leider wird es noch viel Arbeit bedeuten, bis das auch in den letzten Ministerien und Veterinärämtern realisiert wurde. Grüße Ingo Und das is der wichtigste Satz. Im Grunde müsste jeder Artikel kommentiert werden, der irgendwo erscheint. Wenn irgendein Reporter tranig widerholt was vor ihm schon hunderte andere ungeprüft widerholt haben.

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