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Ersteinschätzung Vogelgrippeausbruch Ostpolen h5n8
07.01.2020


Post von: Mathias Güthe





Wie schon bei vorherigen Ausbrüchen ist auch hier erkennbar, dass die Klassifizierung hochpathogen/niedrigpathogen bei den Vogelgrippeviren derzeit eine fragliche ist.Sowohl die Methode der Feststellung mittels Laborküken ohne "Viruserfahrung" als auch die Methode "hat eine gleiche Gensequenz wie ein zuvor hochpathogenes Virus" ist nicht praxistauglich. Vielmehr müsste anhand verschiedener Geflügelarten aus verschiedenen Herkünften die Pathogenität (wie stark krankmachend ist das Virus) festgestellt werden. Bei dem Ausbruch au Süderoog beispielsweise starben einige Puten, die Hühner wurden nur krank (ohne das man weiß ob sie gesundet wären da sie zuvor gekeult wurden) und die Enten und Gänse waren völlig gesund trotz nachgewisenem Virus. Fazit als Putenvirus hochpathogen, für Wassergeflügel fast ohne Relevanz.

Dies vorausgeschickt hier eine Ersteinschätzung zu Polen vom Ornithologen Dr. Peter Petermann, als seriöser Wissenschaftler nicht mit der Behauptung einer gesicherten Erkenntnis sondern bewusst nur als zu validierender Möglichkeit:

 

Meine vorläufige Einschätzung dazu:   1. H5N8 trat bis April 2019 in Europa noch in Bulgarien bei Mastenten auf, bis Januar 2019 auch in Russland. Es ist möglich, dass die Viren von dort eingeschleppt wurden, oder dass sie in Polen selbst seit den letzten Ausbrüchen (2017) irgendwo überdauert haben - z.B. in einem Kühlhaus etc..   2. Typisch für den Verlauf ist, dass H5N8 zuerst in einem Putenbestand entdeckt wird. Das war bisher bei jeder Ausbreitungswelle so. Die eigentliche Zirkulation fand aber bisher immer vor allem in Mastentenbeständen statt, wo sie offenbar sehr lange unbemerkt bleiben kann. Es ist also zu befürchten, dass in einigen Tagen irgendwo bei Hausenten die Viren gefunden werden. Möglich ist aber auch, dass wegen der Schweinepestkrise keine Kapazitäten für eine intensive Suche frei sind und die Viren eine Zeitlang weiter unbemerkt bleiben. Dann werden sie irgendwann auch wieder bei uns auftauchen (wenn sie nicht schon da sind). Die Geflügelindustrie ist ja längst über alle Grenzen hinweg durch gemeinsame Strukturen (Schlachthöfe etc.) vernetzt.   3. Aus der OIE-Meldung geht hervor, dass der Ausbruch am 30.12.2019 bemerkt und am 31.12.2019 im Labor nachgewiesen wurde, wobei zu diesem Zeitpunkt die Mortalität schon 100% war. Das ist natürlich nicht der tatsächliche Ablauf. Aus den wenigen früheren Ausbrüchen, bei denen der Verlauf sich über einige Tage verfolgen ließ ist bekannt, dass in einem größeren Putenbestand die Ausbreitung zunächst langsam und unauffällig erfolgt, und es erst nach etwa 14 Tagen zu einem exponentiellen Anstieg der Sterblichkeit kommt. Daraus lässt sich die Annahme ableiten, dass die Einschleppung der Viren beim aktullen Ausbruch bereits einige Zeit vor den Feiertagen erfolgte. Der wahrscheinlichste Ausbreitungsweg wären also mal wieder Ausstalltrupps (wie seinerzeit in Deutschland), die Puten vor Weihnachten abgeholt haben.   4. Im allgemeinen werden aber weiter zurückliegende Ereignisse bei der epidemiologischen Untersuchung eher vernachlässigt, weil offiziell ein sehr rascher Krankheitsverlauf angenommen wird. Es ist deswegen auch zu erwarten, dass die Untersuchung nach dem üblichen Muster zu keinem Ergebnis führt und deswegen Wildvögel beschuldigt werden. Die Tatsache, dass der Ausbruchsort von Fischteichen umgeben ist kommt da gerade recht. Die Wetterlage der letzten Wochen war dort ausreichend mild - die Teiche dürften noch nicht zugefroren sein und damit auch Wasservögel haben. "Klassischer Vogelzug" ist dort natürlich jetzt nicht, aber solche Aussagen sind wenig zielführend, da bei Vogelzug grundsätzlich nichts ausgeschlossen werden kann. Bedeutet: mit solchen Aussagen lässt sich nichts beweisen und nichts widerlegen.   Wie wird es weitergehen? Genetische Untersuchungen könnten Aufschluss über die Herkunft der Viren geben, aber leider gibt es keine verfügbaren Gensequenzen von H5N8 aus Bulgarien. Russische gibt es, aber wenn über die bulgarischen Viren nichts bekannt ist, wird die Aufklärung sehr spekulativ bleiben.     Soweit eine erste Einschätzung.  



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