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H5n8 Polen hochpathogen + Liste mit Vorsorgemaßnahmen für Kleinhalter in Deutschland
03.01.2020


Post von: Mathias Güthe





Auf der Seite der Animal health Organisation wird bestätigt, dass es sich bei dem Ausbruch im Putenbestand in Polen um die hochpathogene Variante von h5n8 handelt.

Hier der offizielle Bericht

Übersetzung: Am 02.01.2020 wurde darüber berichtet, dass in Polen, genauer in Stary Uscimow, Uscimow, Lubartowski (0608), Lubelskie am 30.-31.12.2019 das hochpathogene Virus H5N8 an Proben von 5 Tieren labortechnisch nachgewiesen wurde. Ursache der Untersuchung war der Tod, ausgelöst direkt von der Krankheit von 12089 Tieren einer Putenfarm.Die Todesrate lag bei 100%. Die Ursache ist unbekannt. Folgende Maßnahmen wurden ergriffen:

  • Screening = Beobachtung
  • Traceability = Spurensuche soweit zurück verfolgbar
  • Official disposal of carcasses, by-products and waste = Beseitigung der Körper, Beiprodukte und Abfälle
  • Control of wildlife reservoirs = Probenahmen der Wildvögel
  • Zoning = Einrichtung von Sperr und Beobachtungszonen
  • Vaccination prohibited = Verbot der Impfung
  • No treatment of affected animals = Verbot der Behandlung von erkrankten Tieren

Bewertung: Irgendwo auf der Transportkette im Wirtschaftsgelügelkreislauf wurde also das Virus freigesetzt. Näheres wird man nach genauerer Analyse der Genkluster wissen und ggf. veröffentlichen. Vermutlich werden bald durch den Ausstoss dieser Viren Wildvögel infiziert und es erfolgt wieder die übliche Schuldumkehr mit der Behauptung, die Wildvögel sind Verursacher.

Der Ausbruchsort liegt übrigens nicht auf einer typischen Zugvogelroute. Die jüngsten Ausbrüche mit H5N8 zuvor sind aus Südafrika und dem Irak.

Maßnahmenempfehlung für Kleinhalter wie z.B. Rassegeflügelzüchter oder mittelständische Geflügelbetriebe:

  • Verzicht auf Zukauf von Tieren aus der Wirtschaftsgeflügelindustrie wie z.B. Eintagsküken oder Legehennen. Abgelegte Legehennen zunächst getrennt vom Altbestand etwa 10 Tage in Quarantäne nehmen. Innerhalb der Konzerne verbreitet sich das Virus schnell durch die weiträumigen und effizienten Lieferketten.
  • Sicherheitshalber Verzicht vom Tier-Zukauf bei fliegenden Händlern ohne Herkunftsnachweis
  • Vermeidung kommerzieller Geflügelprodukte wie Fleisch, Eier oder Wurst möglichst auch im Privathaushalt und auf keinen Fall an die Hühner verfüttern. Von der ASP (Schweinepest) wissen wir, dass weggeworfene Essensreste zur Verbreitung beigetragen haben können.
  • Verzicht auf Geflügelprodukte im Tierfutter anderer gehaltener Tiere wie z.B. Hunde oder Katzen im Haushalt.
  • Analyse von Fischfutter auf enthaltene Schlachtabfälle - in den meisten industriellen Fischfuttermitteln ist z.B. Blutmehl aus Schlachtabfällen.
  • Kauf von Einstreu und Futtermitteln für das Geflügel möglichst regionaler Herkunft.
  • Bei Aufenthalt auf Rastplätzen (hier halten sich auch Geflügeltransporter auf) oder in der Nähe von Geflügelindustrie oder Schlachtbetrieben, Schuhwerk wechseln oder desinfizieren.
  • Viel Freilauf für das Geflügel, damit die Tiere möglichst wenig Virenkonzentration aus der Stallluft aufnehmen und sich in der Stallstreu die Virenkonzentration nicht erhöhen kann. Außerdem Abhärtung durch pflanzliche Biostoffe und Vitamin D aus dem Sonnenlicht.
  • Stall häufig ausmisten.
  • Möglichst keine offiziellen Kot- oder Blutproben einsenden. Gesunde Tiere überstehen häufig die aviäre Influenza auch der Subtypen H5 oder H7, würden aber Antikörper ausbilden und deshalnb möglicherweise bei Nachweis gekeult. Damit würde man gerade die Zuchtlinien verlieren, die sich als widerstandsfähig gegen die Krankheit erwiesen haben.

Gerade letzterer Punkt ist mir als Rassegeflügelzüchter wichtig. Wenn spätere Generationen von Menschen vernünftiger sind und nicht mehr Tiere aus Massentierhaltung konsumieren möchten, dann ist es unsere Aufgabe, gesunde widerstandsfähige Tiere über diese Zeit zu retten in der Profit noch über Gesundheit und Tierschutz gestellt wird.

Die Liste wird ggf noch erweitert,

Sorgenvolle Grüße

Mathias

 





Kommentare


weitere Artikel
Mathias Güthe, 03.01.2020


wie erwartet trudeln jetzt weitere Berichte von weiteren Betrieben ein z.B hier wehwehweh.mdr.de/nachrichten/osteuropa/polen-vogelgrippe-100.html\\r\\nEs war keine Frage dass dies passieren würde alleine auf Grund Verwendung gleicher Transportkisten und Transportfahrzeuge rund um die Geflügelschlachtung. Böse Zungen vermuten Marktbereinigung nach schleppendem Weihnachtsabsatz. Ich vermute eher Virusverteilung durch die Schlachtabläufe selbst. Mit den gleichen Arbeiterkolonnen zu den gleichen Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben. Gerade bei Puten wird teilweise umschichtig ausgestallt. Interessant wäre also auch das Geschlecht der betroffenen Puten (meine Wette ist männlich und die Weibchen wurden vor kurzem ausgestallt)

Hochpathogen gehört in Klammern
Elisabeth, 05.01.2020


Hochpathogen würde ich hier ebenfalls in Anführungszeichen setzen. Warum? Das Virus wurde dort jetzt in mehreren industriellen Haltungen gefunden: Puten, Perlhühner, ein Legehennenbetrieb. So viele gleichzeitige Funde in mehreren grossen geschlossenen Haltungen deuten darauf hin, dass nicht kontrolliert wurde und das Virus wohl schon eine Zeitlang da war. Es besteht ja bei geschlossenen Betrieben nur die Pflicht zur Testung bei erhöhter Mortalität. Die trat dann in einem Betrieb ein, wegen was auch immer, weitere Erkrankungen, Haltung..., man testete, fand und überprüfte dann die umliegenden Betriebe, wo man dann auch fündig wurde. Ostpolen grenzt an die Ukraine und Weissrussland. In die Ukraine wurden ja damals mit Hermes Bürgschaften die alten in Deutschland verbotenen Käfige verfrachtet. Da sitzen also grosse Geflügelhalter, die sicher auch Verbindungen nach Deutschland haben. Deine Warnung vor Geflügelprodukten ist also sehr wichtig. Eine PM wäre m E auch sinnvoll, um die übliche Panik zu vermeiden, wenn das Zeug bei uns landet. Herzlich grüsst Elisabeth

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