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Kompromiss Jamaika der Vogelgrippe?
28.09.2017


Post von: Mathias Güthe





Kom·pro·mi?ss

Substantiv [der]

  1. eine von allen beteiligten Personen akzeptierte Übereinkunft oder Lösung, zu der man durch gegenseitige Zugeständnisse gelangt.

Der Landesverband RP Rassegeflügelzüchter hat, wie unter https://www.rassegefluegel-rheinland-pfalz.de/vogelgrippe/ zusammen mit dem Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz,dem Geflügelwirtschaftsverband Rhld.-Pfalz und dem Bauern- und Winzerverband Rhld.-Pfalz Süd einen Flyer in Netz gestellt und dort um Beachtung desselben gebeten.

Konzept und Design stammen von zwei, über das Hühnerforum gut informierten, Mitstreitern, dort auch mit sehr vielen guten Beiträgen vertreten.

Wir von der AG Vogelfrei haben in einer Umfrage bei unseren Mitgliedern, unseren vertrauten Wissenschaftlern und unserem Anwalt um eine Meinung zu dem Flyer gerungen und lehnen ihn im Ergebnis als das falsche Signal ab.

Der Weg ist zunächst einmal lobend hervorzuheben. Der LV hat sich in Gesprächsrunden mit dem Ministerium um eine Konsenslösung bemüht. Man ist in den Dialog getreten und wird somit auch angehört. Es ist sicher ein Verdienst des LV unter seinem rührigen Vorsitzenden Helmut Demler, dass das Ministerium mit den Vertretern der Rassegeflügelzüchter in regem Austausch steht.

Der Dialog und Austausch muss aber dann beendet werden, wenn die Lösung keinen Kompromis darstellt, sondern einseitig auf falschen Annahmen beruht. Von aussen betrachtet könnte sonst der Eindruck entstehen, die Rassegeflügelzüchter trügen die Wildvogeltheorie als Ursache und die Aufstallung als geeignete Maßnahme vollumfänglich mit. Das tun wir aber ausdrücklich nicht.

 

Die Ausarbeitungen von Dr. Ingo Irmler, von PROVIEH und die Karten des FLI selbst zeigen, dass es keinerlei Zusammenhang zwischen Freilandhaltung und der Verbreitung von hochpathogener Vogelgrippe gibt.

Ornithologen können jederzeit belegen, dass eine Aufstallung rund um einen Wildvogelfund sinnlos ist. Die Untersuchungen in Holland haben gezeigt, dass Wildvögel während und nach einem Ausbruch Antikörper im Blut tragen und jedermann weiß, dass diese sich nicht an Sperrgebiete halten. Wer auch immer 2016 die Wildvögel in Plön angesteckt hat, zu einer Ansteckung der Freilandhühner kam es in dieser Zeit rund um Plön herum jedenfalls nicht.

Vielmehr liegt nah, dass die Verbreitung über die Kreisläufe der Wirtschaftsgeflügelindustrie immer wieder von vorn in Gang gesetzt wird.

 

Wir leben nicht erst in der Neuzeit mit Vogelgrippeviren zusammen sondern seit bestehen der Hühnerhaltung. Neu ist lediglich die hohe Tierdichte und die starke Globalisierung in der Geflügelproduktion. Ebenso relativ neu ist die Verwendung von Blutmehl aus Geflügelschlachtung für die Erzeugung von Fischfutter usw.

 

Ein Kompromiss (siehe oben) könnte beispielhaft sein, dass man die Maßnahmen, die in dem Flyer beschrieben sind, nicht als global richtig herausstellt, sondern für eine begrenzte Zeit, wenn in einem eingegrenzten Umkreis eines betroffenen Geflügelbestandes tatsächlich hochpathogene Vogelgrippe nachgewiesen wurden, die in dem Bestand auch zu vermehrten Todesfällen führten. Natürlich kann es dann auch zu Austrägen in die Wildvogelpopulation kommen. Natürlich könnte man dann für z.B 21 Tage die Maßnahmen des Flyers akzeptieren. Die zweite Seite des Kompromisses wäre dann aber auch von der anderen Seite, der Wirtschaftsgeflügelzucht, sofort bei Feststellung des Ausbruches die Verbreitung sämtlicher Haupt- und Nebenprodukte einzustellen und sämtliche Produkte, die unmittelbar zuvor ausgetragen wurden, sowie Transportmittel zurückzuverfolgen und zu kontrollieren. Transportlastwagen und Körbe, Personal und Gerätschaften, Blutmehl, Federmehl, Eier und Fleisch, Fischfutter und Mist auf den Äckern können bereits innerhalb der Inkubationszeit vor dem Ausbruch das Virus weitergetragen haben.

 

Kein Kompromis ist es jedoch, wenn nur eine Seite ihre Argumente wiederfindet. Wer unbequem ist und nur protestiert, der wird gar nicht erst gehört. Wer aber zu bequem ist, der wird zwar gehört, aber nicht ernst genommen und im Zweifel instrumentalisiert.

Nimmt man diese Maßnahmen als dauerhaft richtig an, dann müsste man es auch richtig finden, sein Kind nicht in den Kindergarten oder die Schule zu schicken und vor seinem Zimmer eine Desinfektionsmatte auszulegen. Vielleicht wird dieses Kind weniger krank (was ich nicht glaube, weil ihm Sonnenlicht fehlt und Keime, die sein Immunsystem trainieren) aber ihm wird auch jede Freude am Leben fehlen. Ich habe doch kein Kind, um es vom Leben fernzuhalten! Das Leben ist schön, es hat Freude am Kindergarten, an Gartenfesten, an Schulausflügen, an Geburtstagspartys. Das Leben ist es wert, das Risiko eines Infektes einzugehen.

Was für das Leben mit dem Kind gilt, gilt auch für mein Leben mit meinem Geflügel. Es ist schön, wenn wir uns alle auf meinem Hof treffen und jeder bringt seine Tiere zur Jungtierbesprechung mit. Es ist schön zu sehen, wenn meine Gänse draußen auf meinem Teich im Wasser toben, auch wenn da mal eine Wildente mit auf dem Teich ist oder ein Spatz das gleiche Wasser trinkt.

Meine Tauben begegnen mal einer Ringeltaube und meine Hühner mal ein paar Krähen oder jagen einen Spatzenschwarm. Leute das ist Leben, mit seinen schönen Seiten und mit seinen Risiken, genau so wie es seit Anbeginn des Lebens eben ist.

 

Der Flyer verbietet mir Jungtierbesprechungen, er verbietet mir den Besuch von Geflügelschauen er schränkt mein Leben und das meines Federviehs ein. Als Kompromiss (also Akzeptanz von nicht sinnvollen Maßnahmen, weil jemand anderer sie sinnvoll findet mit dem ich zusammenlebe und ich mich daher wissentlich einschränke) OK, na gut, befristet für 21 Tage rund um einen Ausbruch bei gehaltenem Geflügel. Als Dauerempfehlung Nein.

 

Dennoch hat es sein Gutes. Helmut Demler ist im Dialog mit der Politik und wir können an seinen Dialog anknüpfen, um eventuell mit unseren Wissenschaftlern und seinen Kontakten zur Politik zu besseren Lösungen zu kommen.

Wir hoffen, dass unsere Kritik nicht als Angriff empfunden wird und möchten gern weiter mit dem LV RP Rassegeflügelzüchter ebenso wie mit Julia und Bernd für die Freiheit unseres Federviehs kämpfen.





Kommentare


Zustimmung
Manfred Loick, Dinslaken, 29.09.2017


Auch ich habe auf den neuen Flyer zunächst skeptisch reagiert, konnte mich angesichts der Fülle von Aussagen nicht mehr richtig auf das Wesentliche konzentrieren. Mit dem o. a. Blogeintrag wurde ich wieder an die wahren Werte unseres wunderbaren Hobbys erinnert. Danke, ich bin wieder auf Kurs, meine bösen Geister wurden durch eine klare Aussage wieder vertrieben.

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