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29.03.18 Besuch auf Süderoog mit dem Kreisvet-Amt style=

29.03.18 Besuch auf Süderoog mit dem Kreisvet-Amt


Post von: Maximilian Lembke





Am 27.03 hat sich zum 29.03. Mattias Knoth vom Veterinäramt NF mit Kollegin auf der Hallig zwecks Abnahme der Grobreinigung angemeldet. Mit dabei sein sollten zwei FLI Vertreter.

Holger hat uns daraufhin angerufen und um fachliche Unterstützung gebeten. Er hatte sich zwar schon viel angelesen, dass geht aber natürlich nicht so schnell und umfassend, als wenn sich ein AG-Mitglied jahrelang damit beschäftigt.

 

So schnell hatte ich nun niemand bereit, außer mich selbst – an dem Phänomenta Stand habe ich mich dann von meiner Tochter vertreten lassen. Ich habe also zugesagt.

 

Holger hat mich avisiert, begeistert hat es den Veterinär nicht und das FLI ließ verlautbaren, ein Besuch der Hallig sei nicht mehr notwendig.Schnee StraÃ???e

Es hatte geschneit, der Weg war mühsam und ich rechnete schon mit einer Absage.

Aber wir wurden um 08:30 mit der Tiede von Holger in seinem Boot in Strucklahnungshörn abgeholt. Schon das beladen des Bootes versetzte mich in eine gedämpfte Stimmung, zwischen den Einkäufen Eier. Wie muss sich das anfühlen, wenn man nach Jahren der Selbstversorgung jetzt beim Landgang Eier kaufen muss. Nele hat übrigens aus Tierschutzgründen immer nur Fleisch aus eigener Haltung gegessen – da fehlen jetzt auch viele Geflügelprodukte im Haushalt!

 

Bereits während der Fahrt fing eine lebhafte Diskussion darüber an, ob eine Beprobung der von Holger vorübergehend eingesperrten Wildenten erforderlich sei oder nicht. Man habe sich mit dem Ministerium abgestimmt, dies sei nicht erforderlich.

Während der Fahrt habe ich daher Herrn Kumbartzky gebeten, beim Ministerium nachzufragen und Herrn Büge gebeten, direkt mit dem Veterinär zu sprechen. Der Veterinär war aber nur ausführendes Organ und verwies an seinen Amtsleiter. Dr. Schulze wiederum wollte die Fragen ebenso nicht direkt beantworten.

 

Eine anwaltliche Unterstützung wollen Holger und Nele gegen Ihren eigenen Dienstherrn (als Angestellte im Nationalpark Wattenmeer und Pächter der landeseigenen Hallig natürlich verständlich) ausdrücklich nicht. Sie streben eine ruhige, vernünftig sachliche Diskussion an.

 

Das Ministerium stellte in seiner Antwort auf dreierlei ab (sinngemäß)

  • §56 greift nur bei Wildvogelnachweisen, hier ist ein Nutzgeflügelbestand betroffen.

  • Beprobungen sind nicht möglich wegen der Schonzeiten.

  • Das Einfangen von Wildvögeln durch Nichtjäger ist Wilderei.

 

Nun ja, es bleibt beim mittlerweile gewohnten Fazit: Lieber schnell und geräuschlos keulen als mühsam und gegen die FLI-Meinung aufklären. Eine Quarantäne erfordert sehr viel Verwaltungsaufwand, Wildvogelbeprobungen erst recht. Ausreden benutzt.

Das gleiche Ministerium welches hier auf Schonzeit plädiert ist laut Landesjagdgesetz fü lokale und temporäre Ausnahmeregelungen zuständig. Ausrede 1 schon einmal egalisiert.

Das gleiche Ministerium, das darauf verweist es sei ja kein Wildvogelausbruch hat in mehreren Medien durch den Minister selbst verkündet:“ Das Virus sei nun mal in den Wildvögeln verbreitet und ein Ausbruch damit vorprogrammiert gewesen. Will man also allen Ernstes darauf verweisen hier auf der Hallig seien keine Wildvögel betroffen? OK ich bitte um Vorschläge, aber bitte seitens des Ministeriums, wie nicht betroffene Wildvögel das Virus in den betroffenen Nutztierbestand eingeschleppt haben sollen? Ausrede 2 damit für mich auch raus.

Bleibt die Wilderei. Hier fragt man sich sofort, wieso die Keulung und Bekämpfung eines regionalen Krankheitsfalles über das Tierschutzgesetz gestellt wird, das vorübergehende einsperren (nicht töten und nicht dauerhaft einfangen) zum Zwecke der Probennahme aber zum Aufschrei „Wilderei“ führt?

Angekommen auf der Insel wurde dann in Ganzkörperkondomen die Grobreinigung der Stallungen besichtigt. Es flogen Schwärme von Ringelgänsen um die Warft und auf Hof, Teich und Rasen rund um das Haus herum wanderten zahllose, fast zahme Stockenten. Wörtlich gesprochen: Es kackten Stockenten auf den zuvor grob gereinigten und desinfizierten Boden. Aber der Stallmist wurde gründlich verbrannt.

 

Die drei gefangenen Vögel hockten entspannt in einem kleinen Auslaufgehege und putzten sich.

Ende der Geschichte: Wir haben nichts erreichen können. Der Wortlaut der VO wurde negativstmöglich ausgelegt und während der Tidezeit bekamen wir keine Beprobung der Wildvögel mehr hin, die deshalb wieder freigelassen wurden. Nach 1,5 Stunden Aufenthalt fuhr Holger uns mit dem "Schlickrutscher" wieder nach Pellworm und von dort ging es zurück nach Nordstrand. Als Mensch habe ich zum Veterinär viele übereinstimmende Meinungen gefunden - mit dem Prozess, den er gerade ausführte, fand ich wenig Übereinstimmung. Gut war aus meiner Sicht der epidemologische Aufnahmebogen mit seinen recht weit gefassten Fragen.

 

Weiterer Ablauf? Der ganz normale Wahnsinn. Man beprobt jetzt im Beobachtungsgebiet. Sind dort die Ergebnisse innerhalb der Fristen negativ und die Desinfektionen und Feinreinigungen abgeschlossen, dann dürfte der Hof wiederbelebt werden. Dann würden wieder Hausenten mit den dort vermutlich immer noch AI positiven und klinisch gesunden Stockenten vergesellschaftet werden dürfen – im Namen des Gesetzes.

 

Erkenntnisse:

 

1. Für mich bleibt der Eintrag durch Wildvögel (die sich vermutlich in Holland infiziert haben) hier der wahrscheinlichste aller Fälle. Das Futter wird aus einer Quelle bezogen, die viele andere Betriebe ebenso nutzen. Die Familie hat nie Eier oder Geflügel aus anderer Quelle dazugekauft (Auswärtsvegetarier). Die letzten Tiere wurden vor langer Zeit dazu gekauft.

Als Einstreu diente Seesand, die Fütterung von Hausgeflügel und wildem Wassergeflügel erfolgte parallel. Dies ist aber auch kein Präzedenzfall, da eine Parallelhaltung von Wildvögeln und Haustieren mit dieser Wildvogeldichte die absolute Ausnahme darstellen dürfte. Die Beprobungen in der Beobachtungszone werden daher höchstwahrscheinlich negativ sein.

2. Das vorliegende Virus H5N6 scheint nur für Hühnervögel hochpathogen. Die Puten zeigten einen sehr schnellen Krankheitsverlauf: 18.3. Symptome (Apathie) 19.3. 2 tot, 20.03. 1 tot, eine sehr kranke getötet. Der Verlauf bei den Hühnern war ähnlich. Die einzige verstorbene Ente hatte zwar auch das Virus ist aber erwiesenermaßen an einer weiteren Krankheit gestorben.

  1. Ob die Hühner auch gestorben wären, wenn Sie (z.B. durch h5n2) eine Kreuzimmunität aufgebaut hätten, wird nicht untersucht.

 

Das Ministerium und FLI an echter Aufklärung nicht interessiert sind, ist letztlich keine neue Erkenntniss, und gehört damit nicht in diese Reihe. Holger und Nele stellen jetzt noch diese Fragen:

  1. Warum war nach Auffassung der Kreisveterinärbehörde die sofortige und ausnahmslose Tötung des gesamten Geflügelbestands des Arche-Hofs (Nele Wree und Holger Spreer) auf der Hallig Süderoog "zwingend geboten" und eine Ausnahme zum Erhalt der seltenen Rassen nicht möglich?

     

  1. Wie vereinbart sich diese angeblich "alternativlos gebotene Tötung" mit der Tatsache, dass in Referenz-fällen (Wörth im Januar 2017, Opelzoo Kronberg 11/2016) sehr wohl eine Quarantäne als ausreichend akzeptiert worden ist und dort rückblickend gezeigt hat, dass ein Töten der Tiere gerade nicht notwendig war, sondern völlig sinnlos gewesen wäre? Der § 20 GeflPestV sieht diese Möglichkeit für nicht zu Erwerbszwecken gehaltene Vögel ausdrücklich vor.

     

  2. Warum soll die nach § 56 Abs. 1 Nr. 1 b GeflPestV ausdrücklich gebotene "Untersuchung von Wildvö-geln, insbesondere von Wasservögeln und von kranken oder verendet aufgefundenen Wildvögeln, auf das hochpathogene aviäre Influenzavirus" vorliegend nicht erfolgen, obwohl dies ohne Weiteres möglich wäre? Der Wortlaut der Verordnung sieht bei Wildvogelnachweisen vor, dass solche Untersuchungen binnen 21 Tagen innerhalb des Sperrbezirks durchgeführt werden. Herr Minister Dr. Habeck hat doch über die Medien verlauten lassen, man habe diesen Ausbruch erwartet weil der Vogelzug nun einsetze. Wenn das Ministerium sich sicher ist, dass Wildvögel das Virus übertragen haben, will man dann aus reiner Bequemlichkeit nur den einfacheren Weg eines infizieren Nutztierbestandes abarbeiten?

 

  1. Schon durch die objektiv völlig unnötige Tötungsaktion wurde nicht nur uns, den Betroffenen (Tier und Mensch) unnötiges Leid zugefügt, sondern vor allem die Chance vertan, in einer geradezu idealen geo-grafischen Sondersituation (abgeschiedene Hallig) zu beobachten, dass hier keineswegs eine weitere Seuchenausbreitung die Folge gewesen wäre. Will man jetzt die gesetzlich ausdrücklich gebotene Untersuchung lieber unterlassen, damit es keine weiteren Daten gibt, die diesen Befund untermauern und umgekehrt die "Wildvögeltheorie" des FLI als nicht stichhaltig entlarven?

     

  2. Welchen Sinn machen die Desinfektion und andere Entseuchungsmaßnahmen, wenn die nach wie vor auf dem gleichen Gelände präsenten Stockenten nicht untersucht werden. Will man unserem Betrieb auf dieser Grundlage die Widerbelebung erlauben, mit der Gefahr der sofortigen Neuinfizierung?

  3. Auf wessen verantwortliche Entscheidung bzw. Weisung gehen Tötungsaktion und Unterbleiben der Untersuchungen nach § 56 Abs. 1 Nr. 1 b GeflPestV zurück?

 

Danke an Nele und Holger für Euren Willen zur Aufklärung, den Ihr ja nur noch für Dritte haben könnt, an Herrn Büge und Herrn Kumbartzky für die akute Unterstützung und Danke auch an den Veterinär Mattias Knoth für die sachliche Diskussion und an Tine für die Vertretung auf der Phänomenta.





Kommentare


Aufklärung
Melani Marfeld, 31.03.2018


Lieber Mathias, danke für diesen ausführlichen Bericht, der Licht in die Dunkelheit gebracht hat. Ich will ehrlich sein, nachdem ich den Bericht von der Hallig gelesen hatte, haben sich mir viele Fragen aufgetan, die ich mir selber nicht beantworten konnte, weil sie für mich einfach völlig unlogisch erschienen. Und ich kann mich auch nicht davon freisprechen, dass sich mir der Eindruck auf gezwängt hatte, dass die ganze Geschichte mit ihren Fotos sehr gestellt und inszeniert auf mich wirkten. Nach diesem Bericht muss ich nun leider meine Meinung revidieren, und mit Entsetzen feststellen, dass die Halligbewohner ein Bauernopfer wurden. Alles was ich jetzt schreiben würde, würde nur wiederholen, was du schon geschrieben hast. Die prädestinierte Lage der Hallig, die Unwilligkeit der Behörden die Wildvögel zu proben, Und letztendlich die völlige Sinnfreiheit der Entseuchungsmaßnahmen. Beispielhaft wieder, wie das FLI nicht zu Gesprächen bereit war, und einen Rückzieher gemacht hat, ähnlich, wie es im vergangenen Jahr jedes Mal der Fall war. Ein Austausch mit den Wissenschaftlern rund um Prof. Bhakdi scheut das FLI anscheinend wie der Teufel das Weihwasser. Es ist erschreckend, mit welcher Rohheit hier über das Leben von geschützten und schützenswerten Nutztierbeständen entschieden wird, während gleichzeitig die Massentierhaltung mit allen Mitteln unterstützt wird. Hier hilft es wirklich nur, flächendeckend alle Geflügelhalter auf zu klären, damit sich so etwas nie wieder wiederholt.


Ilka Gohla, 31.03.2018


Die Tierseuchenpolitik in SH - sei es AI oder ASP - ist eine Beleidigung an den klaren Menschenverstand! Wann reflektieren sich die Verantwortlichen und ziehen Konsequenzen in Politik und Verwaltung? Dank an den Agrarausschussvorsitzenden Oliver Kumbartzky für die zuverlässige fachliche Unterstützung.

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