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H5N6 auf Süderoog! Und wieder nix gelernt!
21.03.2018


Post von: Maximilian Lembke





In den letzten Stunden erreicht uns diese Meldung aus Süderoog, verbunden mit dem sehr traurigen Facebook-Kommentar. Leider habe ich jetzt erst Feierabend.

Ich versuche jetzt die Leute zu erreichen, mein Notfall-Handy hat nicht geklingelt! Versuche auch Oliver Kumbartzky einzuschalten. Eine abgewogene Risikobewertung ließe auch eine Quarantäne statt Keulung zu.

Drückt mir die Daumen. (Wenn jemand sie erreicht, dann bittet sie, mich anzurufen. Nachtrag: Bitte nicht mehr anrufen!

 

   

4 Std. ·

Schwarze Tage für unsere Arche-Hallig.
Bei unserem vom aussterben bedrohten Geflügelrassen wurde das H5 Virus (Vogelgrippe) nachgewiesen. Wie uns der Kreistierarzt telefonisch mitteilte, werden nun alle unsere auf der Roten Liste stehenden, gefiederten Tiere getötet werden müssen. Zu diesen gehören unsere Ramelsloher Hühner gelber Farbschlag (extrem gefährdet), unsere Aylesburyenten (extrem gefährdet), unsere Pommernenten blauer und schwarzer Farbschlag (gefährdet), unsere Pommerngänse (unter Beobachtung) und unsere Bronzeputen (stark gefährdet).
Momentan sind wir ziemlich fertig und wissen gar nicht so recht, wie uns geschieht. Für uns ist es nicht nur einfach ein ersetzbarer Tierbestand. Die Erhaltungszucht mit den alten Geflügelrassen war angetrieben von der Überzeugung, etwas Gutes zu tun. Ein kleines Gegengewicht zur heutigen leider weitverbreiteten Massentierhaltung. Zudem sind auch Tiere mit Charakter dabei. Enten, Gänse, Puten und Hühner, mit denen wir hier auf der kleinen Warft in der Nordsee so nah zusammenleben und schon so manche Sturmflut durchgestanden haben und die hier von uns bis zum bitteren Ende ihr Gnadenbrot bekommen hätten. Dass dieses Ende nun so schnell und so bitter kommen soll . . . zieht uns einfach den Boden unter den Füßen weg.
Am kommenden Wochenende hätten wir ein Treffen vom Zuchtring des Ramelsloher Huhn gelber Farbschlag, in dem wir bereits seit Gründung 2014 aktiv sind. Unser Bestand dieser extrem gefährdeten Hühnerrasse wird nun als eine der tragenden Säulen zusammenbrechen. ;-(
Das wir hier draußen im Wattenmeer immer mit der Möglichkeit rechnen mussten, dass durchziehende Vögel etwas anschleppen, womit sich unsere Tiere anstecken könnten, war uns bewusst. Auch wir mussten unser Geflügel im letzten Winter im Stall halten, als in Schleswig-Holstein die Vogelgrippe um sich schlug. Doch dieses Mal gab es leider keine Vorwarnung. Kein "Passt auf!". Es hat uns einfach kalt erwischt. Am Freitag fanden wir eine unserer im letzten Jahr auf Süderoog geschlüpften Aylesburyente tot im Stall vor. Ersteinmal kein Grund das Schlimmste zu vermuten. Tiere sterben leider auch mal. :-(
Am Samstag fanden wir im Hühnerstall dann allerdings drei unserer Hühner leblos vor und am Sonntag drei weitere. Hilfesuchend wendeten wir uns an den Pellwormer Tierarzt, der sich leider auch keinen Rat wusste und uns anriet, ein verendetes Tier zur Untersuchung einzuschicken. Da uns schicken zu lange gedauert hätte, um zu erfahren, was los ist und wir schnell eine Lösung für das ungewisse Problem haben wollten, habe ich zwei der Hühner und die Ente eingepackt und bin mit der ersten Möglichkeit (Sturmwochenende) rüber aufs Festland. Montag Morgen um 02.00 Uhr fuhr ich mit dem Boot auf Süderoog los, schnappte mir auf Nordstrand das Auto und war um 05:40 Uhr beim zuständigen Landeslabor in Neumünster. Um 07:30 Uhr übergab ich unsere toten Tiere den Mitarbeitern mit der Bitte um schnelle Untersuchung und schilderte unsere Situation und die Bedeutung unserer Tiere zur Arterhaltung der alten gefährdeten Haustierrassen. Am Nachmittag bekamen wir Rückmeldung vom Tierarzt. Bisher gäbe es wohl noch keine Erkenntnisse, woran unsere Tiere verendeten. Der Ernährungszustand wäre gut (eher etwas zu gut) und bei der Ente könnten Trichomonaden die Ursache gewesen sein. Allerdings stünden genauere Ergebnisse, durch umfangreichere und mehr Zeit beanspruchende Untersuchungen, noch aus.
Um erst einmal irgendetwas zu unternehmen, starteten wir am Montag Abend mit dem Tierarzt eine Behandlung mit einem Antibiotikum, welches aufgelöst über Futter oder Wasser verabreicht wird. Mittlerweile waren unsere Bronzeputen und eine weitere Henne soweit geschwächt, dass wir ihnen das aufgelöste Medikament in den Schnabel eingeben mussten.
Dienstag Morgen starb eine unserer Puten, am Mittag eine weitere und zwei Hühner. Um 16:00 Uhr bekamen wir dann den schockierenden Anruf vom Kreistierarzt, der uns mitteilte, dass es keine Hilfe oder Heilung für die Tiere geben wird. Es wurde der H5 Virus nachgewiesen. Fraglich ist nur noch, ob es sich um den hochpathogenen Typ handele. Von Kiel kam aber wohl bereits das Signal, dass wir uns darauf vorbereiten sollen, dass so oder so all unsere Tiere getötet werden.
Wie willst Du Dich auf so etwas vorbereiten . . . . . . . . . . . . . ?
Was jetzt alles auf unseren Arche-Hof zukommen und wie es nun weitergehen wird, wissen wir derzeit noch nicht. Ohne unser Geflügel werden wir die Kriterien eines Arche-Hofes nicht mehr erfüllen können. Lediglich unsere Dunklen Bienen und unsere Coburger-Fuchschafe zeugen nun noch von der vor kurzem noch so artenreichen Arche-Hallig. Diese traurige Mitteilung werden wir jetzt auch der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. weitergeben müssen.
Aktueller Stand ist nun, dass es sich um den hochpathogenen Erreger H5N6 handelt. Wie man im Internet lesen kann, sind unsere Tiere nicht die ersten, die in letzter Zeit mit dem Vogelgrippevirus in Kontakt gekommen sind.
So schrieb "Antimal health online" bereits am 11.12.17:
"Wageningen (aho) – Bei dem bei Enten einer Geflügelhaltung im niederländischen Ort Biddinghuizen isolierten Influenzavirus handelt es sich um den Typ H5N6. Das teilt die Universität Wageningen mit. Eine erste genetische Analyse zeigt, dass das Virus nicht mit dem zoonotischen Stamm H5N6 verwandt ist, der in Asien zirkuliert und auch Menschen krank machen kann."
Sollte es sich also um dasselbe Virus handeln, sind wir derzeit nicht in Gefahr. Allerdings müssen wir nun besondere Vorsicht walten lassen, um das Virus nicht weiter zu tragen. Wie das in Bezug auf die Zugvogelwelt funktionieren soll, bleibt fraglich. Unsere Tiere sind tot und können niemanden mehr anstecken. Doch die Wildvögel werden es wohl, genauso wie sie es mit ziemlicher Sicherheit zu uns gebracht haben (die wahrscheinlichste Variante), werden sie es weitertragen oder bereits schon weitergetragen haben. Auch in Großbritannien, Irland und Schweden gibt es derzeit Fälle zu verzeichnen.
Aktuell wird nun im Umkreis von 10 km eine Beobachtungszone eingerichtet. Das bedeutet, dass auf Pellworm Stallpflicht für Hausgeflügel gelten wird und tot aufgefundene Wildvögel genauer untersucht werden.
Nun wird Hallig Süderoog also wieder Schlagzeilen machen. Dieses Mal allerdings nicht wegen einer kleinen gestrandeten Kamera oder sonstigem Strandgut. Dieses Mal sind es leider Nachrichten, die wir uns allen sehr gern erspart hätten. Besonders unserem Arche-Hof. Der Verlust trifft uns wirklich sehr hart. Zum Abschied unserer tollen Tiere, wollen wir sie Euch noch einmal in Momenten zeigen, in denen sie ein glückliches, freies und artgerechtes Leben auf der kleinen Hallig im nordfriesischen Wattenmeer leben durften.
Macht's gut, ihr gefiederten Freunde. ;-(

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